Lesezeit: 4 Minuten
Willkommen auf AGORa-Sozial
Abstract
Die Soziale Arbeit ist im politischen Diskurs kaum sichtbar. Agora-Sozial will die Sichtbarkeit der Sozialen Arbeit ändern.
Als offene, kostenfreie Plattform, auf der Wissenschaft und Fachpraxis mit belegten Beiträgen wollen wir Position beziehen. Der Text stellt Idee, Anspruch und die monatliche Arbeitsweise des Projekts vor.
Wozu es uns braucht: Willkommen bei Agora-Sozial
Die Soziale Arbeit ist eine Wissenschaft mit starken Praxisbezug und im politischen und wissenschaftlichen Diskurs kaum sichtbar. Agora-Sozial will das ändern: mit einer offenen, kostenfreien Plattform, auf der Forschung und Fachpraxis gemeinsam Position beziehen.

Kaum eine wissenschaftliche Profession muss sich zwischen so vielen Gesellschafts- und Geisteswissenschaften behaupten wie die Soziale Arbeit. Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell deutlich: Genau diese praxisbezogene Wissenschaft wird gebraucht.
Warum das so ist, werden wir in den kommenden Wochen auf dieser Seite ausführlich darlegen. In diesem Beitrag geht es zunächst um etwas anderes. Es geht hierbei um die Vorstellung eines Projekts, das großes Potenzial für unsere Profession und für den gesellschaftlichen Diskurs birgt.
Ein Problem der Sichtbarkeit
Die Soziale Arbeit hat ein Problem: Als Wissenschaft wie in der Praxis bleibt sie in vielerlei Hinsicht unsichtbar oder unterrepräsentiert lediglich elf Bundestagsmandatsträger*innen besitzen ein Studium der Sozialpädagogik, Sozialarbeit oder Sozialen Arbeit. Das entspricht in etwa 1,5 Prozent. Auf politischer Ebene ist die Soziale Arbeit damit kaum präsent. Dabei sind Kinder, Jugendliche, Familien und viele weitere Personengruppen, die sozialpädagogische Leistungen beziehen, alles andere als eine Randgruppe.
Wie folgenreich eine solche Leerstelle ist, zeigt die aktuelle Haushaltspolitik. Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 sieht im sozialen Bereich erhebliche Einschnitte vor: Der Wohngeldetat soll von 4,7 auf 2,6 Milliarden Euro sinken, der Kindersofortzuschlag von 25 Euro monatlich soll entfallen, beim Unterhaltsvorschuss ist eine abgesenkte Altersgrenze geplant. Betroffen sind damit vor allem Familien und Alleinerziehende.

Was Agora-Sozial vorhat
Hier setzt Agora-Sozial an. Wir wollen die Soziale Arbeit als Wissenschaft im sozialpolitischen und wissenschaftlichen Diskurs sichtbarer machen. Nahbar für alle Beteiligten und niedrigschwellig für alle, die sich für Themen der Sozialen Arbeit interessieren.
Entscheidend ist für uns, dass sich Wissenschaft und Praxis gleichermaßen positionieren können. Alle Texte sind wissenschaftlich aufgearbeitet und mit Quellen belegt. Damit bieten wir eine Qualität, die über das rein journalistische Maß hinausgeht. Impulsbeiträge und Positionspapiere gehören ebenso dazu wie die Vorstellung von Konzepten, Forschungsberichten und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Fokus auf die Praxiswissenschaft Sozialer Arbeit bleibt dabei erhalten.
Wissenschaftlichkeit bedeutet nicht Herzlosigkeit. Die Soziale Arbeit versteht sich als Wissenschaft für jene Menschen, die im sozioökonomischen Gefüge wenig oder keine Teilhabe erfahren. Genau darin liegt die Aufgabe eines Formats wie diesem: den Nutzen Sozialer Arbeit herauszustellen und ihn produktiv in die Praxis zurückzugeben.
Wie wir arbeiten
Agora-Sozial ist als Blog konzipiert, funktioniert aber wie ein Online-Journal. Zu Beginn jedes Monats erscheint ein Impulsbeitrag aus der Redaktion. Er greift ein aktuelles Themenfeld der Sozialen Arbeit auf und formuliert Fragestellungen. Auf dieser Grundlage veröffentlichen im Lauf des Monats Wissenschaftler*innen, Fachkräfte und Studierende ihre Beiträge. Am Monatsende steht so ein Gesamtbild des aktuellen Diskurses unserer Profession.
Der Mehrwert ist klar erkennbar: Wissenschaft und Praxis erarbeiten gemeinsam Stellungnahmen zu den Debatten ihrer Profession – öffentlich einsehbar, offen für alle, kostenfrei.
Langfristig soll die Seite auch Studierenden der Sozialen Arbeit weiterhelfen. Über eingereichte und veröffentlichte Bachelor- und Masterarbeiten, Hausarbeiten und andere gelungene wissenschaftliche Beiträge aus dem Hochschulalltag wird Agora-Sozial nicht nur zum Medium des aktuellen Fachdiskurses, sondern auch zur Inspirationsquelle für die eigene Forschung.
In den kommenden Wochen und Monaten wird hier einiges zu sehen sein. Wir freuen uns, wenn ihr uns auf diesem Weg begleiten. Bring dich ein – Soziale Arbeit als Wissenschaft ist gefragt. Wie einst auf der Agora des antiken Griechenlands ist es an der Zeit, den sozialen Diskurs öffentlich zu führen und weiterzudenken.
Auf eine gute Zeit
Die Redaktion von Agora-Sozial
Literatur
- Zur Repräsentation der Sozialen Arbeit im Bundestag
- Niedler, Thorsten (2023): Sozialarbeiter:innen im Bundestag. Forschungsprojekt DemSoz, TH Köln. Online: https://demsoz.web.th-koeln.de/sozialarbeiterinnen-im-bundestag/ (Zugriff: 04.08.2026).
- Deutscher Bundestag (2025): Abgeordneten-Statistik – Der neue Bundestag in Zahlen. Online: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw09-wahlergebnis-statistik-1055550 (Zugriff: 04.08.2026).
- Zur Sichtbarkeit und politischen Positionierung der Profession
- Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA), Sektion Politik Sozialer Arbeit. Online: https://www.dgsa.de/sektionen/politik-sozialer-arbeit/ (Zugriff: 04.08.2026).
- Zu den geplanten Kürzungen im Sozialbereich
- Bundesregierung (2026): Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 (Kabinettsbeschluss). – Vor Veröffentlichung bitte durch die Primärquelle des BMF bzw. die Bundestagsdrucksache ersetzen.
- ZEIT ONLINE (12.07.2026): Sozialleistungen: SPD-Kinderbeauftragter lehnt Kürzung beim Unterhaltsvorschuss ab. – Zur geplanten Streichung des Kindersofortzuschlags und zur Altersgrenze beim Unterhaltsvorschuss.
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Unterhaltsvorschussgesetz (UVG) – Geschäftsstatistik. Open-Data-Portal: https://daten.bmbfsfj.bund.de